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Karlsruhe und Baden

Karlsruhe und Baden
Karlsruhe
Karlsruhe Hbf Bahnhofsschild Train Station, Baden-Wurttemberg Württemberg

Karlsruhe ist eine junge Stadt. Sie wurde erst 1715 gegründet, genauer gesagt am 17. Juni 1715, im Zeitalter des Barock. Sie war, wenn man es so bezeichnen will, zunächst die Hauptstadt des Landes Baden-Durlach und später des Landes Baden. 

Ihr Gründer, Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach, ließ zunächst das Karlsruher Schloss errichten; von dort aus wurden die Straßen fächerförmig angelegt. Daher trägt Karlsruhe bis heute den inoffiziellen Beinamen „Fächerstadt“.

Das streng geplante, geometrische Stadtbild entspricht stark den Vorstellungen des Barock. Dahinter stand ein bewusstes politisches und städtebauliches Konzept: Das Schloss bildete den Mittelpunkt, und die Stadt war geometrisch auf die Residenz des Markgrafen ausgerichtet.

Heutzutage wirkt die Stadt bis auf die Straßenverläufe nicht besonders Barock. Wer in Karlsruhe ein Stadtbild wie in Fulda, Dresden, Eichstätt oder Passau erwartet, wird wenig finden.  

Im Zweiten Weltkrieg wurde Karlsruhe durch alliierte Luftangriffe schwer zerstört. Besonders betroffen waren die Innenstadt, große Teile der historischen Bausubstanz, Wohnviertel, öffentliche Gebäude und Industrie- und Verkehrsanlagen. Bei Kriegsende waren große Teile der Stadt zerstört oder beschädigt. Deshalb wirkt Karlsruhe heute in vielen Bereichen deutlich moderner als eine vollständig erhaltene Barockstadt.

Schloss Karlsruhe Palace, Baden-Württemberg, Baden
Schloss Karlsruhe Palace, Baden-Württemberg, Baden
Schloss Karlsruhe Palace, Baden-Württemberg, Baden
Karlsruhe Ludwigsplatz Waldstraße
Badischer Kunstverein, Karlsruhe
Stadtkirche Karlsruhe City Church Marktplatz Market Square
Botanischer Garten, Karlsruhe Botanical Garden
Botanischer Garten, Karlsruhe Botanical Garden
Botanischer Garten, Karlsruhe Botanical Garden
Botanischer Garten, Karlsruhe Botanical Garden
Bundesverfassungsgericht Karlsruhe Federal Constitutional Court
Bundesverfassungsgericht Karlsruhe Federal Constitutional Court
Karlsruhe Leopoldstraße, Gründerzeithäuser
Sophienstraße Karlsruhe

Karlsruhe-Durlach

Karlsruhe Durlach
Durlach Karlsruhe Durlacher Marktplatz Pfinztalstraße

Vorgängerresidenz in Durlach

Wie erwähnt, wurde Karlsruhe gegründet vom Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach. Bis zur Gründung Karlsruhes residierte er in Durlach.

Heute ist Durlach ein Stadtteil von Karlsruhe. Es ist von der Fläche und der Einwohnerzahl der größte Stadtteil Karlsruhes. Spannender ist für uns Reisende aber seine hübsche Altstadt. Es geht dort beschaulich und gemütlich zu mit Wochenmarkt und Straßencafés vor historischen Bauten.

Durlach Karlsruhe Durlacher Marktplatz Rathaus und Stadtkirche Townhall and City Church Market Square
Liebes- oder Lebensbrunnen Dulacher Marktplatz Rathaus, Stadtkirche
Marketsquare Town Hall
Dulacher Marktplatz Market Square
Dulacher Marktplatz Market Square Pfälzer Dampfnudel Steamed Yeast Dumplings

Exkurs: Kulinarisches Kulturgut, 

Die Pfälzer Dampfnudel

 

Auf dem Durlacher Markt gab es, als ich da war, einen Stand mit Pfälzer Dampfnudeln. Zwar gehört Karlsruhe zu Baden, aber die Pfalz ist quasi um die Ecke; nach 20 Minuten Autofahrt ist man schon in Wörth am Rhein in der Pfalz. Pfälzer Dampfnudeln sind weit mehr als eine einfache Mehlspeise – sie gehören zu den bekanntesten regionalen Gerichten der Pfalz und haben bis heute eine starke identitätsstiftende Bedeutung. Schon im Kinderwagen bekommen die Kinder eine Dampfnudel in die Hand gedrückt, an der sie nuckeln können.

Die Dampfnudeln werden in einer Pfanne mit Milch bzw. Wasser und reichlich Fett gegart. Charakteristisch ist die knusprige, goldbraune Salzkruste am Boden. Genau diese Kruste gilt als besonderes Kennzeichen der Pfälzer Variante. Außen an der Unterseite ist die Dampfnudel knusprig und salzig, während sie oben und im Inneren weich und fluffig bleibt.

Traditionell wird sie häufig nicht als Dessert, sondern als Hauptgericht gegessen, beispielsweise mit Kartoffelsuppe, Gemüsesuppen, Wein- oder Zwiebelsoße, Vanillesoße, Kompott oder Obst

Gerade die Kombination aus salziger Kruste und süßer Beilage gehört zur regionalen Esskultur.

Die Pfälzer Dampfnudel
Dulacher Marktplatz Market Square Pfälzer Dampfnudel mit Vanillesoße und Weinsoße, Steamed Yeast Dumplings with Vanillesauce and Sweet Wine Sauce
Dulacher Marktplatz Market Square Spring Flowers Frühlingsblumen
Pfinztalstraße, Durlach Market Square, Markt Primeln Prim Rose

Auch Durlach wurde im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt, allerdings ist im Gegensatz zu Karlsruhe die historische Altstadt von Durlach vergleichsweise gut erhalten bzw. wurde in ihrer historischen Struktur wiederhergestellt. 

Dort befand sich die Residenz der Markgrafen von Baden-Durlach, bis sie nach Karlsruhe umzogen. Das Schloss, die sogenannte Karlsburg, existiert noch, steht am Rand der Altstadt, obwohl man Burgen eher in abgelegeneren Gegenden vermutet.

Die Karlsburg ist heute allerdings nur noch ein Fragment, denn im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde sie von französischen Truppen zerstört. Nur ein Flügel blieb erhalten. Damals wurde auch die Stadt massiv beschädigt bzw. zerstört - ein wichtiger Grund dafür, dass Durlach als Residenz aufgegeben wurde.

Zwar begann man zunächst mit dem Wiederaufbau der Karlsburg, stoppte aber dieses Projekt und gründete letztendlich Karlsruhe mit der neuen Residenz ein paar Kilometer weiter.

Die Gründung Karlsruhes war aber nicht bloß ein „Umzug aus einer zerstörten Stadt“, sondern auch eine bewusste politische und städtebauliche Neugründung, die absolutistischen Repräsentationsbedürfnissen entsprang.

Karlsburg Durlach Karlsburg Residence Margrave of Baden-Durlach
Karlsburg Durlach Karlsburg Residence Margrave of Baden-Durlach

Der erhaltene Renaissanceflügel der Residenz, der Prinzessinnenbau. Er ist heute der erhaltene Teil der ursprünglichen Karlsburg von 1563–1565. Das Schloss und die Stadt wurden von Franzosen im Pfälzischen Erbfolgekrieg abgebrannt.

Karlsburg Durlach Karlsburg Residence Margrave of Baden-Durlach

Exkurs: Der Pfälzische Erbfolgekrieg​

Der Südwesten Deutschlands wurde von vielen Kriegen heimgesucht. Der Dreißigjährige Krieg, die Kriege Ludwigs XIV. am Oberrhein, die Revolutionskriege und Napoleonischen Kriege. Einer der wichtigsten war der Pfälzische Erbfolgekrieg, der im Südwesten, also von der Pfalz übers Saarland bis nach Baden im kollektiven Gedächtnis lange verankert war. 

 

Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) entstand vor allem durch einen Streit um die Erbansprüche auf die Kurpfalz und die Expansionspolitik des französischen Königs Ludwig XIV.

Einfach erklärt: Der Kurfürst der Pfalz, Karl II., starb ohne Kinder.​ Das Erbe fiel an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg. Dessen Tochter Eleonore Magdalene war mit Kaiser Leopold verheiratet, wodurch es eine enge Beziehung der Pfalz zu den Habsburgern gab.

In Frankreich befürchtete man, dass die Pfalz dadurch stärker auf die Seite der Habsburger geraten konnte.

Schließlich forderte auch Ludwig XIV. Erbansprüche auf die Pfalz ein. Sein Bruder Philippe d’Orléans war mit Elisabeth Charlotte von der Pfalz verheiratet. Sie war die Schwester des kinderlos verstorbenen Kurfürsten Karl II. von der Pfalz. Ludwig XIV. behauptete, Elisabeth Charlotte habe aufgrund bestimmter Erb- und Familienrechte Ansprüche auf Teile des pfälzischen Besitzes. Diese Ansprüche waren allerdings rechtlich umstritten. Außerdem wollte Elisabeth Charlotte selbst diese Ansprüche gar nicht unbedingt geltend machen. Sie fühlte sich durch Ludwigs Vorgehen sogar persönlich belastet.

Aber warum wollte Ludwig XIV. die Pfalz überhaupt? 

Er wollte Frankreich mächtiger und sicherer in Mitteleuropa machen.

Frankreich hat im Osten keine natürlichen Grenzen wie im Süden durch die Pyrenäen. Ludwig wollte deshalb Frankreichs Grenze bis zum Rhein ausdehnen und seinen Einfluss bis an den Rhein absichern.

Die Pfalz war dafür strategisch sehr interessant. Sie lag direkt östlich von Frankreich.

Von dort aus hätte Frankreich seinen Einfluss auf das Heilige Römische Reich stärken können.

Gleichzeitig wollte Ludwig verhindern, dass die Habsburger und andere deutsche Reichsstände zu mächtig wurden.

1688 drangen französische Truppen in die Pfalz und andere Gebiete am Rhein ein und zerstörten die Gebiete katastrophal nach dem Prinzip der "verbrannten Erde".

Für den Südwesten Deutschlands war der Pfälzische Erbfolgekrieg ein äußerst einschneidendes und traumatisches Ereignis, besonders für die Bevölkerung entlang des Rheins und in der Kurpfalz.

Der entscheidende Punkt ist: Die französische Kriegsführung richtete sich nicht nur gegen gegnerische Armeen, sondern nahm bewusst die Zerstörung von Städten und Dörfern in Kauf bzw. setzte sie als militärisches Mittel ein.

Was machte den Krieg so traumatisch? Ganze Städte wurden zerstört.

Ab 1689 betrieben französische Truppen eine Politik der „verbrannten Erde“. Auch Durlach wurde am 16. August 1689 von französischen Soldaten besetzt, geplündert und anschließend weitgehend niedergebrannt. Der Brand war kein Unfall, sondern Teil der französischen Strategie, die links- und rechtsrheinischen Gebiete des Heiligen Römischen Reiches durch Zerstörung und Verwüstung militärisch zu schwächen. Auch Heidelberg, Mannheim, Speyer, Worms, Oppenheim und weitere Orte wurden schwer beschädigt oder zerstört. In Speyer wurde beispielsweise die gesamte Stadt einschließlich des Doms in Brand gesetzt; etwa 6.000 Menschen flohen. Das Heidelberger Schloss wurde 1689 von französischen Truppen zerstört bzw. schwer beschädigt. Auch Mannheim wurde verwüstet. Vor allem Heidelberg und Mannheim hatten eine starke symbolische Wirkung, weil es sich um wichtige Residenz- und Kulturorte handelte. Sie wurden zu Symbolen für diese Brandschatzungen.

Ezéchiel du Mas, Comte de Mélac war einer der wichtigsten französischen Generäle bei den Zerstörungen am Oberrhein. Mélac wurde später gerade wegen der Zerstörungen in der Pfalz und am Oberrhein zu einer Symbolfigur der französischen „Verbrannten-Erde“-Politik. Sein Name wird deshalb häufig mit der Zerstörung von Heidelberg, Mannheim, Durlach und zahlreichen anderen Orten verbunden. Im deutschen Südwesten entwickelte sich Mélacs Name zum Synonym für einen „Mordbrenner“ oder „Marodeur“. Auch heute noch gilt der Name Mélac in der Pfalz und in Baden als berüchtigt. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war es dort nicht ungewöhnlich, Haushunde „Mélac“ oder, in einer verbreiteten Variante, „Mellag“ zu nennen. 

Besonders eindrücklich ist, dass Elisabeth Charlotte von der Pfalz die Zerstörung ihrer Heimat aus Versailles miterlebte. In ihren Briefen beschreibt sie, wie sehr sie die Zerstörung Heidelbergs und Mannheims belastete und dass sie nachts davon träumte.

Für die Menschen bedeutete der Krieg nicht nur Kämpfe zwischen Soldaten. Sie verloren Häuser, Kirchen, Vorräte und wirtschaftliche Lebensgrundlagen. Viele mussten fliehen oder ihre Heimat vorübergehend verlassen. Für viele Menschen bedeutete der Krieg, dass ihre wirtschaftliche Existenz über Jahre oder Jahrzehnte geschädigt war: zerstörte Häuser und Höfe, verwüstete Felder und Weinberge, Verlust von Vieh und Vorräten, Armut und Hunger und hohe Belastungen durch Truppen und Steuern.

Außerdem folgte 1701 der Spanische Erbfolgekrieg, wieder eine Gefahr für den Südwesten, einerseits durch die Nähe zu Frankreich, andererseits ein Durchmarschgebiet für Frankreich zu den habsburgischen Gebieten. Einquartierungen, Kontributionen, Plünderungen und Beschlagnahmungen waren an der Tagesordnung.

Letztendlich waren große Auswanderungswellen aus der Pfalz und benachbarten südwestlichen Regionen in die Vereinigten Staaten eine Folge dieser Zustände. Zu erwähnen ist die Auswanderungswelle der „Palatines“ (Pfälzer) um 1709/1710. Die Pfalz gehörte zu den bedeutenden Herkunftsregionen der deutschen Auswanderung nach Nordamerika, besonders im 18. Jahrhundert und das obwohl die Pfalz eigentlich klimatisch und landwirtschaftlich gut aufgestellt ist. Man wanderte nicht aus, weil die Gegend grundsätzlich arm oder unfruchtbar war, sondern wegen der Kriege und ihrer Folgen.

Der Krieg hinterließ nicht nur materielle Schäden, sondern auch eine starke Erinnerung an französische Gewalt. Das Deutsche Historische Museum schreibt, dass die Brutalität der Brandschatzungen sich in das kollektive deutsche Gedächtnis einprägte und über lange Zeit anti-französische Gefühle verstärkte. ​​

Der Pfälzische Erbfolgekrieg
Pfinztalstraße, Durlach
Durlach Karlsruhe Pfinztalstraße Straßencafé mit Palmen Palmtrees Street Cafe
Dulacher Basler Tor Basel Gate Durlach

Die Teilung der Markgrafschaft Baden

im Jahr 1535

​Bisland ging es um Karlsruhe und Baden-Durlach. Wenn es ein "Baden-Durlach" gibt, liegt die Vermutung nahe, dass es noch einen anderen Teil Badens mit einem anderen Namenszusatz gibt. Das ist richtig, nämlich Baden-Baden; heutzutage bekannt als mondäne, luxuriöse Stadt am Rande des Nordschwarzwalds, ehemals aber ein markgräfliches Territorium mit der Residenzstadt Baden. 

Baden-Durlach und Baden-Baden gingen 1535 aus der Teilung Badens hervor. Der Vorgängerstaat Baden existierte seit dem 11. Jahrhundert. Der erste Markgraf dieses "Gesamt-"Badens war ein gewisser Hermann II. aus dem Hause der Zähringer. Die Residenz der Markgrafen von Baden lag im heutigen Stadt Baden-Baden. 

Die Teilung der Markgrafschaft Baden 1535
Wer waren die Zähringer?

Exkurs: Wer waren die Zähringer?

Die Zähringer waren ein bedeutendes hochmittelalterliches Adelsgeschlecht, das vom 11. bis ins 13. Jahrhundert vor allem im heutigen Südwestdeutschland und in der Westschweiz eine wichtige Rolle spielte.

Für die Geschichte von Baden, Durlach und Karlsruhe sind sie besonders wichtig, weil die späteren Markgrafen von Baden aus einer Seitenlinie der Zähringer hervorgingen.

Ihr Name kommt von der Burg Zähringen bei Freiburg im Breisgau.

 

Ein besonders bedeutender Vertreter war: Berthold II. von Zähringen († 1111)

Er und seine Nachkommen bauten eine große Herrschaft auf. Die Zähringer gründeten bzw. förderten mehrere Städte, darunter:

Freiburg im Breisgau – 1120 von den Zähringern als Stadt gegründet

Freiburg im Üechtland (Fribourg) – 1157 gegründet

Bern – 1191 von Berchtold V. gegründet

Außerdem spielten sie eine wichtige Rolle bei Burgdorf, Murten und anderen Orten.

 

Der letzte männliche Zähringer, Berchtold V., starb 1218 ohne männlichen Erben. Damit erlosch das eigentliche Zähringer-Herzogshaus.

Aber die badische Linie existierte weiter – und entwickelte sich über Jahrhunderte zu den Markgrafen und späteren Großherzögen von Baden.

Rastatt

Rastatt

Baden wurde 1535 geteilt, weil der damals herrschende Markgraf Christoph I. von Baden drei Söhne hatte. Er wollte eigentlich verhindern, dass sein Land geteilt wurde und deshalb sollte sein Sohn Philipp alles erben. Die beiden anderen Söhne Bernhard und Ernst widersetzten sich jedoch. Deshalb wurde Baden 1515 zunächst unter drei Söhnen aufgeteilt. Als Philipp 1533 kinderlos starb, mussten Bernhard und Ernst dessen Besitz untereinander regeln. Nach Streitigkeiten kam es 1535 zur endgültigen Teilung: Aus Baden-Baden ging die Linie Bernhard hervor. In Baden-Durlach (zunächst Baden-Pforzheim) entstand die Linie Ernst. 

Die religiöse Spaltung kam dazu: Baden-Durlach wurde evangelisch, während Baden-Baden katholisch blieb. Dadurch entwickelten sich die beiden Landesteile noch stärker auseinander.​​

Schloss Rastatt Palace Baroque Barock

Von Karlsruhe lohnt ein Kurztrip nach Rastatt. Die Bahn bringt einen in zehn Minuten dorthin, wo sich eines der bedeutendsten Barockschlösser in Baden-Württemberg befindet – und zugleich ein Ort, an dem sich europäische Geschichte stattfand.

Schloss Rastatt war die Residenz der Markgrafen von Baden-Baden. D.h., man gelangt nach sehr kurzer Fahrt von der Hauptstadt Karlsruhe, der ehemaligen Markgrafschaft Baden-Durlach, in die Hauptstadt Rastatt der ehemaligen Markgrafschaft Baden-Baden. 

Baden-Durlach und Baden-Baden liegen also nur zehn Minuten auseinander und sind aus der Teilung der Markgrafschaft Baden hervorgegangen? Klingt nach kleinen Territorien. In der Tat, beide Territorien waren klein. Zeit, sich einmal Landkarten genauer anzusehen.

Baden

Das heutige Baden, das zu Baden-Württemberg gehört, hat eine längliche Form, zieht sich vom Bodensee an der deutschen Westgrenze entlang bis an den Odenwald im Norden und sieht entfernt aus wie der Buchstabe "C". Dieses heutige Baden auf der obigen Landkarte ist ein geschlossenes Territorium. Das war nicht immer so. Um 1800 war das heutige Baden noch eine vergleichsweise zersplitterte Markgrafschaft und war deutlich kleiner.

Baden-Durlach
Baden-Baden

Beide Karten erstellt vom Autor "Lencer" sind einsehbar auf Wikimedia.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Markgrafschaft_Baden-Durlach.png

Die 1535 begonnene Teilung blieb 236 Jahre bestehen, bis 1771 in Baden-Baden der Erbe ausblieb, womit es an Baden-Durlach fiel und die beiden Badens wiedervereint waren.

Die Hauptresidenz des wiedervereinten Baden wurde Karlsruhe, denn Karl Friedrich, der Erbe, residierte dort und blieb auch dort.

Baden-Baden und Baden-Durlach.jpg

aus: Historischer Atlas von Baden-Württemberg bei LEO-BW. 

Mit der Wiedervereinigung der beiden Territorien war aber die Entstehung des heutigen Gebildes Baden noch nicht abgeschlossen.

Größer wurde es während der napoleonischen Kriege, den sog. Koalitionskriegen. Durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gewann Baden neue Gebiete. Der Hintergrund war Napoleons Umgestaltung Deutschlands nach den französischen Eroberungen. (Willst du mehr über den Reichsdeputationshauptschluss wissen? Klick hier. Auf der Seite über Regensburg und den Immerwährende Reichstag findest du mehr.)

Baden erhielt unter anderem Teile der Kurpfalz, das Gebiet um Heidelberg und Mannheim, zahlreiche ehemalige kirchliche Territorien und Klöster, kleinere Herrschaften und reichsunmittelbare Gebiete. 

Besonders wichtig waren Heidelberg und Mannheim. Diese Städte gehörten vorher zur Kurpfalz und waren für Baden ein enormer Gewinn: Mannheim war ein bedeutendes Handels- und Wirtschaftszentrum und Residenz der Pfälzischen Kurfürsten, also quasi Hauptstadt der Kurpfalz. Heidelberg war kulturell und politisch wichtig, besaß eine traditionsreiche Universität und war vor Mannheim die Hauptresidenz, also quasi die frühere Hauptstadt der Kurpfalz.

 

Der noch größere Schritt kam 1806: Napoleon gründete den Rheinbund, einen Zusammenschluss deutscher Staaten, die sich vom Heiligen Römischen Reich lösten und unter starkem französischem Einfluss standen. Als Belohnung für seine Zusammenarbeit mit Frankreich wurde Baden zum Großherzogtum erhoben, territorial erneut stark vergrößert und politisch deutlich aufgewertet.

Schloss Rastatt Palace Baroque Barock

Aber zurück in die Zeit, als Baden-Baden ein eigenständiges Territorium mit Schloss Rastatt als Hauptresidenz war:

Vor der Errichtung dieser prachtvollen, barocken Residenz gab es das alte Schloss in der Stadt Baden. Es war jahrhundertelang die Residenz der Markgrafen von Baden-Baden. Doch 1689, während des Pfälzischen Erbfolgekriegs wurde auch dieses Schloss mitsamt der Stadt von französischen Truppen niedergebrannt. 

Das neue Schloss Rastatt wurde aus ähnlichen Motiven wie Schloss Karlsruhe gebaut: Das alte war zerstört, aber man wollte nicht wiederaufbauen, sondern ein neues repräsentatives, der Mode entsprechendes Schloss bauen.

Baden-Baden war allerdings ein ziemlich kleiner Staat und Schloss Rastatt ist ein viel zu großes Schloss für so einen Zwergstaat. 

Schloss Rastatt Palace, Treppenhaus Staircase Baroque, Barock

​Aber der Bauherr von Rastatt war ein ambitionierter, erfolgreicher Mann. Er war der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, auch bekannt als Türkenlouis. Er kämpfte im Großen Türkenkrieg (1683–1699) auf Seiten des Kaisers gegen die Osmanen, stieg bis zum Oberbefehlshaber auf und errang mehrere bedeutende Siege.

Ludwig Wilhelm war außerdem mit einem anderen berühmten Feldherrn seiner Zeit verwandt; sein Cousin war Prinz Eugen von Savoyen. Beide kämpften gegen die Osmanen und gehörten zu den bedeutendsten kaiserlichen Heerführern ihrer Generation.

Ludwig Wilhelm wollte eine Residenz bauen, die seine Bedeutung als Fürst und erfolgreicher Feldherr sichtbar machte.

Ein Wiederaufbau des alten Schlosses in Baden-Baden erschien ihm offenbar nicht repräsentativ genug. Deshalb entschied er sich für eine neue, große moderne Barockresidenz.

Ursprünglich war Schloss Rastatt nicht als neue Hauptresidenz geplant. Ab 1697 ließ Ludwig Wilhelm dort zunächst ein Jagdschloss bauen.

Dann änderte er um 1700 seine Meinung: Aus dem Jagdschloss sollte eine große Residenz werden. Schließlich zog der Hof 1705 von Baden-Baden nach Rastatt. 

Ludwig Wilhelm konnte in Rastatt nicht nur ein Schloss bauen, sondern praktisch eine ganze Residenzstadt nach barockem Plan schaffen. Schloss, Straßen, Plätze und wichtige Gebäude konnten aufeinander ausgerichtet werden. In Baden-Baden hätte er sich viel stärker an die bereits gewachsene mittelalterliche Stadtstruktur halten müssen. 

Schloss Rastatt Palace, Treppenhaus Staircase Baroque, Barock
Schloss Rastatt Ahnensaal Ancestral Hall Baroque Barock
Schloss Rastatt Ahnensaal Ancestral Hall Baroque Barock
Schloss Rastatt Palace, Treppenhaus Staircase Baroque, Barock
Schloss Rastatt Palace, Treppenhaus Staircase Baroque, Barock

Der Frieden von Rastatt (1714),

das Ende des Spanischen Erbfolgekriegs

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) ging es vor allem um die Frage, wer König von Spanien werden und damit über das riesige spanische Weltreich herrschen sollte? Vorausgegangen war der  Tod des letzten spanischen Habsburgers Karl II. (1661–1700), der kinderlos starb. In seinem Testament bestimmte er Philipp von Anjou, einen Enkel des französischen Königs Ludwig XIV., zu seinem Nachfolger. Andere europäische Mächte, besonders Österreich, England und die Niederlande, fürchteten dadurch eine zu große Macht Frankreichs. Deshalb bildeten sie ein Bündnis und kämpften gegen Frankreich und Spanien. Der Krieg endete mit mehreren Friedensverträgen, darunter dem Frieden von Rastatt 1714.​ 

Als Resultat wurde Philipp von Anjou König von Spanien und regierte als Philipp V. von 1700 bis 1746.

Wichtig war, dass die europäischen Mächte den Friedensvertrag nur unter der Bedingung akzeptierten, dass Spanien und Frankreich nicht zu einem einzigen Staat vereinigt werden.

Die Bourbonen sitzen bis heute auf dem spanischen Thron. Der heutige König ist Felipe VI. (Philipp VI.), seit 2014 König von Spanien.

Rastatt Marktplatz, St. Alexander Church Kirche Marktplatz Baroque Barock
Rastatt Marktplatz, St. Alexander Church Kirche Marktplatz Baroque Barock

Gernsbach im Schwarzwald

Gernsbach im Schwarzwald
Gernsbach im Schwarzwald Black Forest
Gernsbach im Schwarzwald Black Forest
Gernsbach im Schwarzwald Black Forest
Badische Küche Baden Cuisine
Badisches Restaurant Badische Küche Baden Cuisine
Käsespätzle Badische Küche Badisches Restaurant Badische Küche Baden Cuisine 
Cheese Spätzle Badischer Wein Baden Wine
Ochsenbäckchen Badische Küche Badisches Restaurant Badische Küche Baden Cuisine
Beef Cheeks
Spinatknödel Badische Küche Badisches Restaurant Badische Küche Baden Cuisine, Spinach dumplings
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